… diese drei umfassen eigentlich schon ziemlich viel von der seit Jahrhunderten üblichen Nutzung dieses kostbaren Kulturlandes – okay, Gartenbau, Gehöfte und Gehölze fehlen. Und aufmerksame Leser*innen von „Altes & NEUES AUS NEUENGAMME & benachbarten Landen“ bemerken beim Lesen der vielen nun folgenden Absätze vielleicht, dass wir uns ab Teil I der Serie „Altes & NEUES AUS NEUENGAMME & benachbarten Landen“ vom Sandstrand der Tide-Elbe, vorbei an der geheimnisumwitterten Riepenburg mit ihren einst ausgedehnten Getreidefeldern, vorbei am vielstimmigen Vogelgehölz und glücklichen Rindern auf der Ohe leicht schlängelnd nach Norden bewegen.
Wovon ihr jetzt noch nichts ahnt, ist ein utopischer botanisch-zoologischer Ausbreitungsweg, der sich durch schmale, lange Schläge mit nachhaltiger, neuartiger, manchmal auch althergebrachter Nahrungsmittelproduktion schlängelt – davon möchte ich später noch schwärmen. Bleibt dran, Mäandern entspannt:)

Die steife Schleife am Hinterkopf, hier nur schwach zu erkennen, wird „hierzulanden“ Krey genannt, das ist das plattdeutsche Wort für Krähe. Diese im 18. Jahrhundert entwickelte und im 20. Jahrhundert aus dem Alltag verschwundene Tracht galt einst als Gütesiegel für die von ihren Träger*innen auf Hamburger Märkten angebotenen Erzeugnisse aus Vierlanden.
Als ich das hier schreibe, sitze ich nach Verzehr eines unverschämt leckeren Schokoladenkuchens – hab gehört, der sei eine Spezialität der neuen „Kuchenmacherin“ des Café Molina (https://www.cafemolina.de) – und einem beutelfreien „Graf Grau“ (Earl-Grey-Tea) unter den sehr alten Balken eines Gebäudes, in dem 1. das alte Foto hängt, das ich oben eingesetzt habe, weil es auf Menschen verweist, die hier vor uns gewirkt und Lebensmittel erzeugt, verarbeitet und vermarktet haben; und das 2. zum Ensemble einer der ältesten Getreidemühlen weit und breit gehört, was wiederum auf althergebrachten Ackerbau verweist.

Das 2020 gegründete Café Molina, Inhaberin Claudia musste knapp nach der Eröffnung wieder schließen – aus allseits bekannten Gründen, an denen wir alle noch knabbern – hat aber ein prima Team aufgebaut, und Eis und Kuchen dort sind dort von traditioneller und futuristischer Vierländer Spitzenqualität, befindet sich im Gebäude neben der Riepenburger Mühle.
Das Café Molina gehört zum Ensemble der Riepenburger Getreidemühle, die beweist, wie lange in diesen Landen schon Korn angebaut wurde. Der ständig wachsende Versorgungsbedarf der nahegelegenen Großstadt Hamburg und die ideale Verkehrslage an der Elbe hätten seit dem 16. Jahrhundert „den Verkauf exportorientierter Hopfen- und Getreideernten“ gefördert. So umschreibt Dr. Rolf-Jürgen Grote in „Alte Bauernhäuser in den Vierlanden bei Hamburg“ die materielle Grundlage für die „kulturelle wie bewusstseinsmäßige Eigenständigkeit“ dieser Region. Apropos Ackerbau: Das ab dem 12. Jahrhundert eingedeichte Land wurde zunächst vor allem für den Anbau von Getreide genutzt, obenan stand die Gerste, die leicht an die vielen Brauereien in Hamburg abzusetzen war.
Und wieder einmal hilft mir die Zentralbibliothek der Hamburger Bücherhallen auf die Spur bzw. in die Furche. Im „Heimatbuch für unser Hamburgisches Wandergebiet“, herausgegeben 1914 von der hiesigen Pädagogischen Vereinigung. Bevor wir uns auf Wanderschaft durch die Vierlande begeben, sollen wir nach deren Ansicht erstmal etwas vom Boden unter unseren Füßen begreifen. Der sei in seiner Ertragfähigkeit verschieden. „Von jeher galt Neuengamme als das reichste und fruchtbarste Kirchspiel“, und auch Curslack habe vortrefflichen Weizenboden. In Kirchwerder und Altengamme hingegen wären durch häufige Deichbrüche, „die tiefe Kolke, sogenannte Bracks, ausstrudelten auf weite Erstreckungen hin mit Elbsand bedeckt worden, der so einen minder ergiebigen und fruchtbaren Boden für landwirtschaftlichen Betrieb schuf.“

Sie heißt „Boreas“ (Das altgriechische Word Βορέας geht auf die Verehrung der Winde zurück, den winterlichen Nordwind personifizierten die Griech*innen in einem Wesen namens Boreas), ist eine der ältesten Mühlen Deutschlands, die älteste und größte Kornwindmühle in Hamburg, seit 2007 ein produzierendes technisches Denkmal, und damit eine der letzten arbeitenden Mühlen hierzulande. Da bin ich pingelig, denn mein Urgroßvater war ein überaus gewissenhafter Mühlenbauer, wenn auch in ganz anderen Landen (Gouvernement Courlande – heutiges Lettland, damaliges Zarenreich). Der auf diesem Foto noch ungepflasterte Kirchwerder Mühlendamm, auf dem wir uns lesend und schreibend in sehr altertümlichem Tempo, manchmal gar gegen eisigen Nordwind stemmend, nordwärts bewegen, war einer der ersten Verkehrswege zu Lande in den Vierlanden, wo damals fast ausschließlich zu Wasser verkehrt wurde.
Bis ins 18. Jahrhundert betreiben die Vier- und Marschländer*innen hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht. Carl Will’s HAMBURGER HEIMATKUNDE von 1957 entnehme ich, dass seit Jahrhunderten in den Vier- und Marschlanden die Viehhaltung eine wesentliche wirtschaftliche Rolle spielte. Und die ist gerade ein Topp-Thema! 2026 ist nämlich INTERNATIONAL YEAR OF RANGELANDS AND PASTORALISTS, kurz Weidetierjahr: „Bereits im vergangenen Jahr haben wir uns u.a. mit Umweltschutzorganisationen und Hirt:innen im Bündnis für Weidelandschaften und Hirtentum zusammengeschlossen. Unser Ziel: die Rahmenbedingungen für nachhaltige Weidetierhaltung in Deutschland spürbar zu verbessern. Schon 1.512 Menschen haben unterschrieben, um unsere Forderungen in der GAP (Gemeinsame Agrarpolitik der EU) und im deutschen Wiederherstellungsplan zu verankern. Und wir bleiben dran: Denn 2026 wird entscheidend. Die GAP-Periode nach 2027 wird aktuell verhandelt und der nationale deutsche Wiederherstellungsplan zur EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur wird derzeit erarbeitet. Momentan läuft die öffentliche Beteiligung, bevor Deutschland seinen Entwurf bis September 2026 der EU-Kommission vorlegen muss. Es wird spannend und wir lassen nicht locker!“, schreibt dazu die Aktion Agrar (https://www.aktion-agrar.de/).
Und wir begucken uns nun mal die – im Gegensatz zur industriellen Land- und Tiernutzung – wirklich herkömmliche und auskömmliche Viehwirtschaft in den Hamburger Vier- und Marschlanden:

Bis ins 18. Jahrhundert betreiben die Vier- und Marschländer*innen hauptsächlich Ackerbau und Viehzucht. Ihre Kähne – auf den Nebenarmen der Elbe – und die Ewer – auf der Stromelbe – brachten vor allem Getreide und Fleisch in die Innenstadt, und Milchprodukte. 1898, dargestellt von Oskar Schwindrazheim.
Der Maler und Schriftsteller Oskar Schwindrazheim wurde 1865 in Hamburg-St. Georg geboren und rief hier zusammen mit dem ebenfalls in Hamburg geborenen Maler, Zeichner und Publizisten Hermann Haase und anderen Künstlern, die sich bei ihren kunstgewerblichen Arbeiten an der Natur orientierten, die Gruppe der Hamburger Pflanzenkünstler ins Leben. Auf seinem Bild von den Vierlanden ist wunderschön der artenreiche Pflanzenbewuchs am Wegesrand zu erkennen. Die weißen Doldenblüten könnten Wiesen-Bärenklau (Heracleum sphondylium) sein. Warum ich hier schon mal auf das Randständige abfahre, werdet ihr noch sehen.

Der Echte oder Wiesen-Bärenklau ist im Gegensatz zum Riesen-Bärenklau eine in Europa heimische Pflanze. Sie wird von der auf Doldenblütler spezialisierten Bärenklau-Sandbiene als Pollenquelle genutzt und ist Raupen-Futterpflanze für diverse Schmetterlingsarten: Silberpunkt-Höckereule, Weiderich-Blütenspanner, Bärenklau-Rauhaareule, Mondfleckiger Blütenspanner, Haarstrang-Blütenspanner, Brustwurz-Blütenspanner, Bärenklau-Blütenspanner und Purpurglanzeule. Das merkt ihr euch jetzt einfach alles, weil wir nachher noch auf die so bedeutsamen Wildpflanzen und -tiere am Rande von Feld und Weide kommen;). 1796, Jacob Sturm: Deutschlands Flora in Abbildungen

Der Wiesen-Bärenklau ist Futterpflanze unter anderem für die Raupen der Bärenklau-Rauhaareule, dieser Nachtfalter gehört zur Kategorie 2 (stark gefährdet) auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Warum, das erschließt sich Warum, das erschließt sich schnell bei einem aufmerksamen Spaziergang oder einer beschaulichen Radtour. Was sollen sie denn fressen, die Raupen? Dumi
Das gibt mir Gelegenheit noch ein paar Worte für Wildtiere und -pflanzen einzulegen, die nur auf extensiv bewirtschafteten Flächen und an Wegrändern vorkommen. Extensiv? Das lateinische Tätigkeitswort extendere bedeutet: ausdehnen. Bei extensiver Tierhaltung wird der sogenannte Produktionsfaktor Fläche im Verhältnis zu den beiden übrigen (Arbeit und Kapital) vergrößert. So werden die Flächen verhältnismäßig geringfügig genutzt. Bei sehr großen Weideflächen mit geringem Viehbesatz steht der Erhalt der Weiden im Vordergrund. Das rettet „nebenbei“ bedrohte Arten und unsere regionale biologische Vielfalt.
Ins Wohl der wilden und anderen Tiere steigern wir uns ein paar Absätze weiter unten wieder rein. Jetzt bewundern wir erstmal Georgs durch und durch erfahrenen Handgriff samt kurzem, knappem, elegantem Schisslaweng – diese französisch-berlinerische Bezeichnung gehört in meine Lieblingswörtersammlung, sie stammt vielleicht von c’est le vent = „das ist der Wind“. Aber wenn ich mir Altbauer Georg Eggers bei der händischen Aussaat so ansehe, passt perfekt die Deutung: „ainsi cela vint“ = „so ging das vor sich“, denn sie deutet auf in Fleisch und Blut übergegangene Fertigkeiten á la „gewusst wie“. Und ich geb hier nebenbei mal einen bisher von mir noch nicht geprüften Buchtipp weiter: Carl Heins; Mit’m Zisslaweng. Heitere Klamüstereien zum Passlatant. Hamburg, Kurt Saucke, 1960. Aber jetzt gehts wirklich weiter im Text: Mit Schisslanweng brachte Altbauer Georg Eggers am Rande der ausgedehnten extensiv genutzten Viehweide auf der Ohe in Hamburg-Kirchwerder die Saatgutmischung zur Blume des Jahres 2026:

Die Blume des Jahres 2026 wurde am 23.10.25 auf Hof Eggers (https://hof-eggers.de) präsentiert. Altbauer Georg Eggers brachte zu diesem Anlass die SAATGUTMISCHUNG 2026 aus. Die (sollt)/könnt ihr unter +4940243443 oder bestellung@loki-schmidt-stiftung.de bestellen.
Die LOKI SCHMIDT STIFTUNG bittet für diese Saatgutmischung zusätzlich zur Gebühr in Höhe von drei Euro um eine Spende für ihre legendäre – Kommentar der Bloggerin – Naturschutzarbeit und preist an: „Die Farben- und Duftvielfalt von elf Wildpflanzen, darunter Feldrittersporn, Acker-Lichtnelke und Kornblume, wird nicht nur Sie erfreuen, sondern auch zahlreichen Insekten das ganze Jahr über ein reichhaltiges Buffet bieten“ – eine Lobrede in Sachen wirklich „kultiviertem/r“ Ackerbau, Gärtnerei, Wegesrand und Weidewirtschaft.
Kultiviert? Dieses altmodische Eigenschaftswort verwandelt sich beim Nachlesen in einen (vielleicht sogar karierten?;)) Koffer voller sachdienlicher Hinweise für den Umgang mit Flächen in unserer Stadt. Den öffne ich für euch nun im Sinne des auf Pflanze und Tier erweiterten Gemeinwohles, denn kultiviert bedeutet: mit Fingerspitzengefühl, mit Einfühlungsvermögen, mit Sinn für Schönheit, verfeinert, gepflegt, schonend, rücksichts- und respektvoll.
Zusätzlich kriegt ihr eine ökologische Packungsbeilage: fragt nicht „eure/n“ (aufdringlichen) Abendländler – von andersdenkenden Geschlechtsgenossen auch als „stupid white man“ bezeichnet, der spielt sich eh immer so weltbeherrschend auf -; Anarchisten – auch wenn er oft wirklich gute Anregungen zum Wohle aller Wesen hat!; – Apotheker; Arbeitgeber; Arzt; Atomwaffenhersteller (die Abscheu erklärt sich von selbst, wird aber oft nicht berücksichtigt); Ausbeuter oder (wohlmöglich selbsternannte) Autorität. Fragt die, die fast nie gefragt werden! Nein, wir Biolog*innen sind nicht beleidigt, wir haben nur andere Bedenken und Einwände als viele andere! Und auch ganz andere Hingucker:

Die Saatgutmischung der LOKI SCHMIDT STIFTUNG zur Blume des Jahres 2026 enthält auch Samen von Silene noctifolia, Acker-Lichtnelke, Nacht-Nelke oder Nachtblühendes Leimkraut genannt. Jacob Sturm
Hier zeige ich euch den Künstler zum Bild oben, ihr habt vielleicht schon registriert, dass bei mir die Künstler*innen den Biolog*innen sehr knapp auf den Füßen folgen, sie gar manchmal überholen. Besonders hitverdächtig sind natürlich naturverliebte Kunstschaffende – und da habe ich Jacob Sturm im Verdacht. Sein monumentales Werk „Deutschlands Flora in Abbildungen nach der Natur mit Beschreibungen“ wuchs in Jahrzehnten kontinuierlicher Arbeit. Als es 1818 erschien, enthielt es 2472 Kupfertafeln. Unten seht ihr ein Porträt des Naturforschers und Kupferstechers, der unter ganz vielen anderen Wildblumen Nacht-Nelke porträtierte, die heute Acker-Lichtnelke heißt deren Samen in der Saatgutmischung 2026 enthalten sind.

Naturforscher und Kupferstecher Dr. h. c. Jacob Sturm (1771-1848) erstellte umfangreiche Werke zu Deutschlands Pflanzen- und Tierwelt.
In meinem „SCHMEIL-FITSCHEN“ von 1973, dem dunkelgrünen Buch zum Bestimmen der wildwachsenden und häufig kultivierten Gefäßpflanzen (wobei mit Gefäß hier nicht Blumenvase oder -topf gemeint ist, sondern die Gefäße, in denen Blütenpflanzen wie die Acker-Lichtnelke, aber auch Bärlappgewächse und Farne Wasser und darin gelöste Stoffe durch ihre Wurzeln, Blätter und Sprosse befördern) von Deutschland und seinen angrenzenden Gebieten heißt Silene noctiflora auf Deutsch Acker-Nachtnelke. Im Kurztext zur Bestimmung steht dort, dass ihre weißen bis bleichrosafarbenen Blüten in „gabelästigen“ Blütenständen stehen und sich erst gegen Abend öffnen. Ihr süßlicher, kleeartiger Duft lockt Nachtfalter während Tagfalter auf Buntes fliegen, orientieren sie sich eher nach dem Geruch.
Die Acker-Lichtnelke in dieser Saatgutmischung ist, wie die Blume des Jahres, der Feldrittersporn, eine Feldpflanze, denn die Stiftung begebe sich, wie Geschäftsführer Axel Jahn erklärt, „dahin, wo der Naturschutz nicht viel zu melden hat: in die Agrarlandschaft, auf die Äcker“, wo es üblicherweise „nicht um Artenschutz, sondern um maximale Erträge“ gehe. „Selbst im Biolandbau wird meist sehr intensiv gewirtschaftet. Ackerwildpflanzen wie der Feldrittersporn haben es da schwer.“ Mittlerweile gehören die Wildkräuter der Äcker zu den am stärksten gefährdeten Pflanzenarten in Deutschland. Dadurch droht auch der Verlust von Insekten, die auf deren Nektar angewiesen sind.

Der „Blume des Jahres 2026“ macht klirrende Kälte im Januar nichts aus. Wir haben Consolida regalis im Herbst ausgesät, am Wegesrand in den Vierlanden, im Balkonkasten in Hamburg-Altona. Die Jungpflanzen überdauern den eisigen Griff auch dieses „echten Winters“.
Wie ihr auf der Illustration unten gut erkennen könnt, sind die Blätter des Feld-Rittersporns in schmale, etwa einen Millimeter breite Zipfel zerteilt. Auf dem Foto oben, es stammt aus dem Kalender der LOKI SCHMIDT STIFTUNG, der ich auch botanisch vertraue, sind handförmig geteilte Blätter mit vielen Zipfeln zu sehen, wie. Ich denke, dies ist die gestauchte Blatt-Rosette am Stängelgrund, mit der der Feld-Rittersporn überwintert. Der Feldrittersporn gehört zu den Hahnenfußgewächsen, das erklärt auch die Sache mit den unterschiedlichen Blättern in der Rosette (Foto oben) und am Stängel (Grafik), denn viele Angehörige dieser Pflanzenfamilie weisen Heterophyllie auf, „Verschiedenblättrigkeit“.
Zudem ist diese spannende Pflanze winter-annuell, zweijährig: das betrifft den Zeitraum vom Keimen bis zur Bildung von Samen. Der umfasst nicht zwei Jahre im Kalendersinn, sondern in unseren Breiten eine Vegetationsperiode im Winter und eine danach. Solche Pflanzen treiben oft erst nach dem nächsten Winter aus, aber, so lernten wir bei der Präsentation der Blume des Jahres auf Hof Eggers, kann bei früher Aussaat und unter günstigen Bedingungen so eine winter-annuelle Blume auch schon im ersten Jahr blühen. Darauf hoffen wir nun.

Unter einer sehr dicken Schneedecke ist die Saatgutmischung zur Blume des Jahres in meinem Balkonkasten aufgegangen. Halte euch auf dem Laufenden. Und werde einen Weges-, Feld-, Weide- oder Ackerrand in den Vier- und Marschlanden ökologisch bereichern, wenn diese Wildpflänzchen parat für den Fahrradtransport sind.
Wir gönnen uns jetzt mal ein Pflanzenporträt. So stellen Dr. Kristin Ludewig und André Palm, Projektleiter*innen „Blume des Jahres“ ihren Helden vor: „Tapfer steht ein einsamer Ritter im Kornfeld. Nein, er kämpft gegen keine Windmühlen, aber dafür um sein Überleben. Der Feldrittersporn (Consolida Regals) ist eines von vielen bedrohten Ackerwildkräutern Deutschlands.“ Ursprünglich nahm die Pflanze als Kulturfolger mit dem Einzug des Getreidebaus ihren Weg nach Zentraleuropa. „Zusammen mit 400 weiteren Ackerwildkräutern prägte er tausende Jahre lang unsere Äcker und seine blauvioletten Blüten wiegten sich im Sommer mit dem Getreide im Wind.“ Und zwischendurch machen wir mal was mit Menschen, für euch Nicht-Botaniker*innen:

Da habt ihr die „üblichen Verdächtigen“ auf „einem Haufen“. Henning Beeken (links mit Kaffeetasse) musste zu Präsentation und Aussaataktion auf seinem Hof (https://hof-eggers.de) nicht überredet werden, biologische Vielfalt gehört dort einfach dazu. John Langley (mittig mit Mütze) war Schüler bei Loki Schmidt, ist heute Gartenbotschafter – auch für die Stiftung seiner Lehrerin -, ihm gehts stets um ökologische Garten- und Landpflege, er versteht all diese kultivierten Flächen als Lebensräume für Pflanzen, Tiere und Menschen; davon muss Langley Altbauer Georg Eggers (rechts, mit Schirmmütze) nicht überzeugen. Im Gegenteil: Georg geht das alles zu langsam mit der Agrarwende, er drückte mir am 23.10. „für meine nächste Schrift“ eine neue Studie zur Welternährung in die Hand. Und ich haue in die Tasten. Was sind das für Zeiten, wo manche Alten ungeduldig werden, und manche Junge sich KI-gefüttert im Sessel zurücklehnen?
Nun hat’s aber genug gemenschelt. Aber wir wollen ja nicht lästern, sondern in die Zukunft sehen, Zukunft säen. Die oben genannte Studie kriegen wir später. Jetzt wird es erstmal zygomorph. Keine Angst, das kriegen wir hin!

Hier können wir unserem Ackerhelden in die zygomorphe Blüte schauen, diese griechische Bezeichnung wählte Alexander Carl Heinrich Braun.

Das führt uns jetzt schon wieder auf Abwege, keine Sorge, wir lassen uns hinterher einfach wieder vom Duft, Farbe und Form der zygomorphen Blüten an den richtigen Wegrand zurücklocken. Die botanische Bezeichnung zygomorph, ausgesucht hat sie Alexander Carl Heinrich Braun, kommt vom griechischen Wort zygon fürs Ochsenjoch. Blüten wie die des Feldrittersporns würden einem Ochsenjoch ähneln, fand Biologe Braun, Jahrgang 1805. Und da heutzutage kaum noch ein Joch durch die Gegend getragen wird, und damit ihr euch selbst ein Bild machen könnt, gibts hier zum Vergleich ein Foto von 1905. Autor/-in unbekannt (uploader’s family) – my grandmothers family album.
In Sachen meines persönlichen etwas unreflektierten Naturwissenschaftler*innen-Hypes muss ich jetzt eine mittelgroße Korrektur nachreichen: Braun war nämlich verbandelt mit einem weitverzweigten Biologen-Clan. Gendern kann ich diesbezüglich leider nicht, denn im zu jener Zeit gab es nur vereinzelt weibliche Forscher*innen und die wurden eher nicht berühmt. Manche männliche Berühmtheit steht allerdings auf wackeligen Füßen:

Brauns Schwester war mit Natur-forscher Jean Louis Rodolphe Agassiz liiert.
Der schweizerisch-amerikanische Naturforscher Agassiz soll voller Geltungsdrang nicht nur die wissenschaftlichen Ergebnisse anderer unter seinem Namen veröffentlicht haben (zu meiner Studienzeit nannten wir solche Wissenschaftler „publishing bull“), er hat sich auch mit einem Artikel namens „The diversity of origin of the human races“ als Anhänger der schon damals fragwürdigen Rassentheorie geoutet. Weil sehr viele Erdenbürger dieser einzigen Art, der wir alle angehören, es immer noch nicht begriffen haben, oder nicht begreifen wollen, hier nochmal ein bisschen Biologie des Menschen: Wir gehören alle einer Art an, die sich biologisch korrekt nicht in Unterarten unterteilen lässt. Und von Rasse (=Zucht) spricht eine/r, die/der was vom Leben versteht, nur noch im Zuchtwesen:

Apropos Rasse, auch Zucht genannt, (und auch apropos Weidewirtschaft, hier in den Schweizer Bergen): Das Braunvieh ist eine Zucht/Rasse mit hoher Milchleistung und geringem Milchfettgehalt, Milchwirtschaft kriegen wir später. Hier schon mal ein wenig Ernährungswissen für menschliche Wesen: Es ist wissenschaftlich belegt, dass Kühe, die im Sommer frisches Gras und im Winter Heu fressen, bessere Milch geben. Sie enthält mehr als die doppelte Menge an Omega-3-Fettsäuren, die wiederum haben sich in mehreren Studien als förderlich erwiesen für unser Lernen, unsere Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Erinnerung, Kreativität, Fantasie, Planen, Orientieren, Argumentieren, Problemlösen, Vorstellungskraft, unser Lernen, und last but not least: die Selbstbeobachtung. So erzeugt extensive Weidewirtschaft auch gesunde Selbstkritik und Exzellenz:) – glänzende geistige Leistungen: Brain up!
Olga Ernst
Das Schweizer Braunvieh auf dieser offensichtlich extensiv genutzten Weide bringt uns zurück zu den Wildkräutern. Alle, die mal in den Bergen gewandert sind, vor allem diejenigen, die das wie ich schon in den 1960ern taten, steigt sicher wie mir der Duft der dortigen Wiesen und Weiden in die Nase, und wir erinnern uns an Anblicke, die zunehmend seltener werden. Hört auf uns Alte: „Ein Bett im Kornfeld zwischen BLUMEN und Stroh“ ist wirklich ein Hit! Derweil verändert intensive Landwirtschaft mit Pestizideinsatz und Bodenverdichtung unsere Kulturlandschaften. Palm und Ludewig beschreiben die Folgen: „das Farbenspektrum, das der Feldrittersporn und seine Begleiter auf die Äcker brachten, verblasste zunehmend, das lebendige Summen und Treiben von Wildbienen, Hummeln und weiteren Feldbewohnern verstummte.“ Schade eigentlich.

So siehts in Altengamme aus, im April. Die langen, schmalen Marschhufen (Schläge) zwischen den Gräben werden hier als Weide genutzt.
Und wir wenden uns nun dem besonders fruchtbaren Boden von Neuengamme zu. Der hat dort im wahrsten Sinne des Wortes Grundsteine gelegt, für die bewundernswerten Hufnerhäuser zum Beispiel, von denen ich später noch berichte. Jetzt geht es erstmal um die dortigen landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Nutzpflanzen, Acker oder Feld genannt:

Zu den heutigen und hiesigen Feldfrüchten wähle ich eine Illustration, die zum Nachdenken anregen könnte, wir kommen drauf zurück. Das Foto habe ich im August in den Hamburger Vier- und Marschlanden aufgenommen. Was ist drauf auf dem ansonsten kahlen Acker?
Mittlerweile ist diese Feldfrucht auch in den Vierlanden verbreitet, wo sie vor allem – und das ist enorm energieaufwändig, um das zu ermessen, braucht ihr weder KI noch Taschenrechner, nur Verstand – für die Milchproduktion genutzt wird. Diese zu den Süßgräsern gehörende Nutzpflanze stammt ursprünglich aus Mexiko und rangiert mengenmäßig mittlerweile auf Platz eins der weltweiten Getreideernte. In Deutschland wird sie überwiegend gehäckselt und durch Milchsäuregärung (Silage) zu Futtermittel verarbeitet, vor allem für die Rinderhaltung.

Eigentlich sind Wiederkäuer Gras- und keine Körnerfresser, aber sie werden nicht gefragt, Ben23
Schaut zur Abwechslung nochmal das bunte Bild von Schwindrazheim aus dem 19. Jahrhundert an. Darauf ist ein Viehwirt zu sehen, mit einem Tragejoch. Daran hängen zwei hölzerne Fässer. In solchen Behältnissen wurde damals per Kahn und Ewer Milch oder Butter stromabwärts transportiert. Und da es natürlich kein pflanzlicher Brotaufstrich war, was die Vier- und Marschländer*innen produzierten und zu den städtischen Märkten schafften, entlarve ich nun eine die Ernährungssouveränität gefährdende Werbe-Simulation aus meiner Kindheit. Teile nämlich den Geburtsjahrgang 1954 mit einer weltbekannten Streichfettmarke:

Wenn eine heute nach dieser Marke fahndet, gelangt sie zu einem dieser multinationalen Lebensmittelhersteller, die alles mögliche herstellen und auch alles mögliche gefährden, z.B. kleine bäuerliche Betriebe. Dieser Multi heißt Upfield Holdings und hortet unter seinem globalen Dach mehr als hundert Marken, inclusive Rama. Was achtsamen Leser*innen vielleicht auffällt: Die in meiner Kindheit abschätzig (Gleichstellung war im Wirtschaftswunderland mega-out) als Rama-Mädchen bezeichnete Dame trägt Vierländer Tracht (genauere Erläuterungen zu dieser Arbeitsbekleidung erhaltet ihr ein paar Absätze weiter unten).
Die Vierländer*innen allerdings hatten mit pflanzenbasiertem Streichfett nichts am großen Hut (der sie vor der Sonne schützte). Sie produzierten ja die legendäre Grasbutter. Danach muss eine heute lange fahnden! Im echten Leben wie im virtuellen „Leben“. Im durch und durch kommerzialisierten Internet ist diese Waren-Bezeichnung auch auf den dritten Blick nicht zu finden, außer bei Marihuana-Verkäufern, die ihren Stoff in Streichfett mengen. Nur ein niederländischer Biobetrieb wirbt für seine sommerliche GRASBOTER (im Winter gibt es von diesen Viehwirt*innen dann Heubutter) folgendermaßen: „Biologische Weidebutter … Hergestellt aus biologischer Weidemilch von Kühen, die frisches Gras fressen. Besser streichbar, da Weidemilch von Natur aus weichere Fettsäuren enthält. Cremig und rein im Geschmack … reich an gesunden Fettsäuren und frei von schädlichen Zusätzen.“
Mit solchen Qualitäten mussten in den 1920ern pflanzliche Streichfette wie das neue Produkt der Deutschen Jurgenswerke AG mit großem Werbeaufwand konkurrieren:

So wurde das pflanzenbasierte Streichfett 1924 beworben, sein Name sollte dem Rahme gleichen.
Knapp 40 Jahre später, das H war mittlerweile verschwunden, ging diese Margarinemarke quasi viral, hatte 40 Prozent des Marktes erobert, auch unsere Küche. Meine Mutter aber hätte sich als Tochter eines Turbo-Nazis, der ihr per Brief von irgendeiner Kriegsfront das Abschneiden der Zöpfe verbot: „Ein deutsches Mädchen tut das nicht!“, wahrscheinlich eher kahlscheren lassen, als unten abgebildete Frisur zu tragen.

Mich juckt es in den Fingern in Sachen Viehhaltung. Das ist ja ein ganz großes Thema. Sehe vor meinem inneren Auge gerade die in ihrer eigenen Milch ersaufende Kuh, die eine niederländische Widerstandsbewegung (wir befinden uns weltweit im „tiefenökologischen“ Widerstand gegen das, was ich hier mal milde mit Misswirtschaft bezeichnen möchte) zur besten abendlichen TV-Zeit im Werbespot zeigte. Diese Kampagne richtete sich gegen „sloopmelk“(https://www.wakkerdier.nl/campagnes/melkkoeien/sloopmelk). Das niederländische Wort sloop bedeutet Abbruch oder Abriss. Frei übersetzt, werden Milchkühe heute ruiniert. Gunter Mahlerwein schrieb vor einigen Jahren für die Bundeszentrale für politische Bildung über die zunehmend kapitalintensive landwirtschaftliche Praxis seit den 1950er Jahren, die Organisation wakkerdier schreibt, Sloopmelk sei „Milch ohne ein gutes Tierschutzsiegel. Die Kuh muss viel mehr Milch geben, als gut für sie ist, oft unter schlechten Lebensbedingungen. Dadurch wird sie oft krank und schon in jungen Jahren zum Schlachten gebracht. Sie zahlt den Preis für billige Milch.“
Das Wort Wirtschaft kommt von Wirt im Sinne von Gastgeber und bewirten und bedeutet weder Ausbeutung noch Bereicherung, sondern planvolle Befriedigung im Prinzip unbegrenzter menschlicher Bedürfnisse angesichts begrenzter Ressourcen. Das hört sich doch vernünftig an, oder? Stattdessen empfinden sich unsere Erzeuger*innen, die Landwirt*innen, als Sklaven der Lebensmittelindustrie. Das habe ich schon mehrfach in norddeutschen Landen von deren Wirten gehört. Alle, mit denen ich sprach, halten Maisanbau zur Erzeugung von Kraftstoff oder -futter für „Landvernichtung“, wissen, dass die großen Landmaschinen „vernichten und zerstören“. Ein alter Vierländer Viehwirt schwärmt hinter vorgehaltener Hand von Landnutzung „auf die alte Art“. Und Altbauer Georg Eggers (https://hof-eggers.de) bestätigt mir auf Nachfrage, dass es sich lohne, „altes Wissen, das verschüttet und verloren gegangen ist“ wieder anzuwenden. Wir beide finden, es könne und müsse mit der Erneuerung auf „neue alte Art“ unbedingt schneller gehen. Und setzen dabei auf die Jungen. Auf dem städtischen Gut Riepenburg würden wir gerne mit jungen Vier- und Marschländer*innen einen Experimentiergarten mit Produktionsstätte vor Ort errichten, am liebsten mit der Jugendbauhütte Hamburg und der Schule um die Ecke – die neue Stadtteilschule Kirchwerder ist nur eineinhalb Kilometer entfernt – und dem Kompetenzzentrum für Gartenbau in Hamburg-Moorfleet, und vielleicht mit dir? Wir bleiben im Gespräch, über alle Generations- und sonstigen Grenzen hinweg. Nun brauchen wir aber mal ein gutes Bild vom ehrbaren Umgang zum Beispiel mit Nutztieren:

Das niederländische Nationalmuseum für Keramik (https://www.museum.nl/nl/keramiekmuseum-princessehof befindet sich mitten in Friesland im der Wunder vollen Städtchen Leeuwarden; und darin befindet sich diese gebrannte Aufforderung für einen ehrbaren Umgang – nahezu für eine Verehrung – mit den Tieren, deren Ressourcen wir nutzen.

Mit der Nutzung der Ressourcen dieses alten Tieres hatte Hans laut dem nach ihm benannten Märchen kein Glück. Es gab keine Milch; hatte aber in der vielgestaltigen Kulturlandschaft sicher ein schönes Leben. Beachtet die strukturreiche Kulturlandschaft, den Mohn im Kornfeld, das Streuobst, das Rotkehlchen. Es war einmal – und warum sollte es nicht wieder werden?
Satt von der einst und jetzt bedeutsamen lokalen Milchwirtschaft, für die die Marschbewohner früher ausschließlich ihre saftigen Weiden nutzten, wenden wir uns nun dem Gartenbau zu. Die Vierländer*innen taten das in nennenswertem Umfang erst im 18. Jahrhundert. Sie brachten Erdbeeren, Gemüse und „wohlriechende Blumen, Rosen und Lavendel zur Stadt, noch andere sammelten aromatische Blüten und Kräuter, mit welchen der Städter seine erschwerten Wintersäfte im Frühling dem Sommer zumildert.“
Schöner kann eine/r das gar nicht beschreiben, als es Jonas Ludwig von Heß tat, er ist nicht nur wegen seiner sinnlichen Beschreibung des Schreibens wert: 1780 kam der Reiseschriftsteller, Topograph, Aufklärer und Politiker erstmals nach Hamburg und und gab hier mit dem Ziel, die Kenntnisse der Öffentlichkeit zu bereichern und den Informationsaustausch zu fördern, das Journal aller Journale heraus. Es druckte Artikel aus deutschen und ausländischen Zeitschriften. Außerdem veröffentlichte von Heß eine dreibändige Hamburg-Topografie, die natürlichen, baulichen und sozialen Verhältnisse in der Stadt beschrieb und bis heute als eines der bedeutendsten Zeitzeugnisse gilt. Bei seinem zweiten Hamburg-Aufenthalt wurde von Heß Armen-Vorsteher und -pfleger, trat aber 1806 aus Protest gegen die Hamburger Sparpolitik und das Scheitern seines Steuerplans zugunsten der Armen von seinen Ämtern zurück, widmete sich in der Neuausgabe seiner Hamburger Topografie vor allem den sozialen Einrichtungen der Stadt und kritisierte die dortigen Zustände. Auch das klingt erschreckend aktuell. Das von mir sehr gern gekaufte und auch sehr gern gelesene Hamburger Straßenmagazin Hinz & Kunst (https://www.hinzundkunzt.de) begann das Jahr 2026 mit dem Ruf nach „Mut zum Teilen!“. Denn man tau. In Sachen der „erschwerten Wintersäfte“ gibt es jetzt ein bisschen Aroma:

Beim Sortieren der Maiblumenkeime, so heißt diese Illustration zu einem Artikel von Oskar Schwindrazheim in „Die Gartenlaube“ von 1898. Sie stammt von seinem Mitstreiter – beide nannten sich „Hamburger Pflanzenkünstler“ – Herrmann Haase.
Pflanzenkünstler Schwindrazheim schreibt 1898 in „Die Gartenlaube“: „Rose und Maiglöckchen („Maibloom“) sind die Königinnen unter den Vierländer Blumen. Außer durch den Verkauf derselben an Hamburger Blumenläden und Blumenhändler weiß der kluge Vierländer aber auch noch auf andere lohnende Weise Gewinn aus ihnen zu ziehen: die Rose präpariert er für die Zwecke des Konditors und des Rosenölfabrikanten, die jungen Schößlinge der Maiblumen im Herbste versendet er ins Ausland, nach Rußland, England, ja nach Amerika und womöglich noch weiter, damit sie dort, künstlich schnell zum Aufblühen gebracht, die Liebhaber des reizenden Blümleins erfreuen können. … Jeder Vierländer hat zum mindesten ein paar Beete mit Maiblumen bepflanzt“.
Wem Schwindrazheims Darstellung etwas sehr idealisiert erscheint, hat genau hingeguckt. Aus Schwindrazheims Arbeitsgruppe der Hamburger Pflanzenkünstler ging 1891 der Verein Volkskunst hervor, der bevorzugt ländliche Handwerker der jüngeren Vergangenheit zeigte, die bevorzugt aus dem Hamburger Umland stammten.
Und wir müssen jetzt erstmal das Rätsel lüften, das auch mir bei einer Neuengammer Osterfeier vor die Füße fiel, in Gestalt von „Maiblumenkisten“, die ich vorm Feuer rettete. In Neuengamme produziert kaum noch jemand Maiblumen, insofern wurden die robusten Kisten aussortiert. Habe sie in mein Gartenhaus integriert zur Aufbewahrung von Werkzeugen und erzähl euch jetzt mal was von der „Maiblomentied“, die in Neuengamme und benachbarten Landen nicht etwa im Wonnemonat, sondern im Herbst liegt beziehungsweise lag. Ab September werden die Pflanzen aus den Beeten gehoben und in blühfähige Triebe und Ranken getrennt sortiert. Das oben abgebildete „Maiblumenpuhlen“, das Sortieren der Keime, erfordere Fingerspitzengefühl, wird berichtet. Während die Ranken wieder in die Erde kommen, werden die blühfähigen Triebe, die sogenannten „Spitzen“, zu 25 Stück gebündelt und, in oben genannten Kisten, bis zum Antreiben kühl gelagert. Drei bis vier Wochen vor dem gewünschten Blühtermin werden die Triebe ins warme Gewächshaus geholt und zum Blühen gebracht.

«Meyenblůmlin» – Convallaria majalis samt Rhizom. 1532, Otto Brunfels
Diese sogenannte Treiberei ist ein typisches Kultur- bzw. Arbeitsverfahren im Gartenbau. Sie ist nur möglich, weil dieses begehrte Liliengewächs wie die anderen Angehörigen seiner Pflanzenfamilie quasi unterirdisch überwintert. Dazu dient der Maiblume – auf diese Bezeichnung bestehen sie in den Vierlanden bis heute! – ihr bis zu 50 cm tief reichendes „Eingewurzeltes“, so die Übersetzung des altgriechischen Wortes rhizoma. Botaniker*innen meinen mit Rhizom ein pflanzliches Speicher- und Überdauerungsorgan, einen „Erdspross“. Wegen seiner meist unterirdischen Lage und der zahlreichen Wurzeln wird das Rhizom oft auch Wurzelstock genannt.

Das relativ dünne, kriechende und ausläuferartige Rhizom der Maiblume verzeigt sich monopodial. Sowas musste ich alles mal lernen, heute muss ich nachgucken: bei der monopodialen Verzweigung wird jährlich der vorjährige Triebabschnitt fortgesetzt.
Bei der vegetativen Vermehrung – der Vermehrung ohne Samen – im ersten Jahr werden nur Blätter gebildet; erst im zweiten Jahr entwickeln sich dann die Blüten. Das hatten die Vierländer*innen schon vor mehr als 200 Jahren drauf. Mit geübtem Blick erkannten sie blühfähige Rhizomteile, die für die Treiberei taugen. Natürliche Voraussetzung dafür ist, dass sich die Pflanzen in einer genetisch bedingten Ruheperiode befinden. Ihr Wachstum, ihr Blühen, kann nicht zu jeder Zeit angeregt werden, sondern es muss im Falle der Maiblumen ein winterlicher Kältereiz abgewartet werden. Dazu wurden die blühfähigen Rhizome in den Maiblumenkisten gelagert. Voraussetzung für die Treiberei ist, dass sich die Pflanzen in einer Ruheperiode befinden, die genetisch bedingt ist. Das Wachstum kann nicht zu jeder Zeit wieder angeregt werden, sondern es muss im Falle der Maiblumen ein winterlicher Kältereiz abgewartet werden. Dazu wurden die blühfähigen Rhizome in den Maiblumenkisten gelagert.
In der freien Wildbahn gedeiht diese geschützte Pflanze in lichten Laubwäldern oder im Halbschatten von Gebüschen, aber ihr wisst ja selbst, wie ausgeräumt unsere Kulturlandschaften heutzutage so sind … weshalb wir ja auch für wohltuende Kultivierung sorgen wollen…

Allmende Vierlande: das Glück hängt an der Straße, aber nur für Leute, die beschaulich unterwegs sind und ein Körbchen dabei haben.
Wie der Historiker Jürgen Grote beschreibt, haben wirtschaftliche Faktoren maßgeblich zur kulturellen und sonstigen Eigenständigkeit der Vierlande (der vier Kirchspiele Alten- und Neuengamme, Curslack und Kirchwerder) beigetragen: Der Bedarf der nahegelegenen Großstadt habe den Absatz des intensiven Gemüse- und Obstanbaus sowie der Blumenzucht gefördert und Wohlstand ins Land gebracht.
Und wir folgen, vielleicht á la ancient future?, nochmal Schwindrazheim in seine Vierlanden, von denen er 1898 in „Die Gartenlaube“ schwärmte: „Flaches Land, teils fruchtbar, teils nicht, mit Feldern, Bauernhäusern, Bauern – worin sollte das wohl von dem Durchschnittstypus einer norddeutschen Dorflandschaft abweichen? Blankenese – da ist doch ein Berg mit Aussicht, da ist malerische Abwechslung – aber da hinten, wo’s flach ist wie ein glattgehobelter Tisch – ja, was sollte da wohl los sein!“ So sprach zu mir ein Freund aus Süddeutschland, der in Hamburg auf Besuch war.„Meinen Sie?“ erwiderte ich. „Schade, ich wollte Sie eigentlich gern zu einer kleinen Fahrt gerade in Blankenese entgegengesetzter Richtung bereden!“ Schwindrazheim fährt fort: „Erdbeeren und Kirschen, diese Johannis- und Stachelbeeren … auch Pfirsiche …. Ja, Vierlanden! In dem gesegneten Landstrich soll’s wohl gedeihen, das ist das reine Paradies!“

Wer nicht vorbeirast, kann immer noch ein wenig Paradies in Vierlande entdecken, an so einem leuchtenden Augustabend. In Emmis Butik am Norderquerweg, einem Lädchen, das sich vor allem dem Upcycling widmet, haben Marion und Ingrid ihre Vogelfutterstationen aus altem Porzellan aufgehängt, gegenüber sind die Pfirsiche reif. Und vorm Gartenzaun dieses wirklich wirtlichen Anwesens steht zu meinem Entzücken eine Kiste mit Schmorgurken – ZU VERSCHENKEN.

Ich feiere hier jetzt erstmal kurz das Hamburger Marktgemüse, wie es früher hieß, in Gestalt der Schmorgurke – und die Norddeutsche Küche. Deren „Rezepte, Bräuche und Geschichten im Jahreslauf“ haben Metta Frank und Marielouise Schultze aufgezeichnet, nachdem sie ein Jahr lang Norddeutschen in die Kochtöpfe geschaut und ihnen die alten Familienrezepte abgelauscht hatten. Für ein Schmorgurkengericht für vier Personen zupft ihr zwei Bund Bohnenkraut von den Stielen und hackt die Hälfte der Blätter fein; schält die Schmorgurken, halbiert sie längs, schabt die Kerne heraus, schneidet das Gurkenfleisch in 2 cm dicke Stücke; pellt eine mittelgroße Zwiebel, schneidet sie in sehr feine Würfel und dünstet diese in 50 g Butter goldgelb an; gebt die Gurken dazu und schmort sie mit Salz, Pfeffer und dem gehackten Bohnenkraut zugedeckt etwa 30 Minuten; gebt 150 g Schwand zum Gemüse und lasst es etwas einkochen; schmeckt mit Salz, Pfeffer und etwas Senf pikant ab und serviert das Ganze mit dem restlichen Bohnenkraut bestreut.

Auch die nicht nur bei mir berühmte Vierländer Platte reift im Spätsommer.
In seiner Produktinformationen zum „Tomatensaatgut Vierländer Platte“ schreibt der Kleverhof (https://kleverhof.de/Saatgut/Tomaten-Bio-Saatgut-Tomatenvielfalt): „Deutsche Sorte um 1900. Sehr gute, etwas platte Fleischtomate. Die Vierländer Tomate wurde speziell für den Hamburger Markt (Frage der Autorin: Ich las im Freilichtmuseum Kiekeberg – https://www.kiekeberg-museum.de – von Hamburger Marktgemüse und bin nun auf der Suche nach den Sorten, freue mich über jeden sachdienlichen Hinweis: stadie-kommunikation@t-online.de) gezüchtet und in den benachbarten „Vierlanden“ um Geesthacht herum angebaut. Die schmackhafte Fleischtomate war dort lange Zeit sehr beliebt, aufgrund der kurzen Transportwege war somit immer frische Ware in der Großstadt vorhanden. Nun gibt es aber viele unterschiedliche Varianten der Vierländer Tomate. Ein etwas älterer Gärtnerkollege aus den Vierlanden, dem wir beim Aufräumen halfen, erzählte uns auf diese Frage eine lustige Geschichte:
„Jeder hat bei uns damals die Vierländer Tomate in seinen Gewächshäusern angebaut. Und damals hat auch jeder sein eigenes Saatgut wieder ausgesät, wir waren ja alle etwas geizig. Darum veränderten sich die Tomaten mit der Zeit auch etwas. Manchmal waren sie schöner, manchmal waren sie nicht so schön. Wir hatten alle ein gutes Verhältnis miteinander und trafen uns auch regelmäßig mal hier und mal da. Wenn Dein Nachbar eine wirklich tolle Variation der Vierländer bei sich im Gewächshaus hatte… Na dann wurde er auch mal nachts besucht und um einige Früchte erleichtert. Im nächsten Jahr hatte ich auch die tolle Variation in meinem Gewächshaus.“ Meine oben abgebildete wirklich tolle und leckere Variante habe ich von der Straße, von einem Kräuter-, Obst- und Gemüsestand am Kirchwerder Mühlenweg. Nix wie hin! Da wirkt eine Fachfrau oder ein Fachmann.
Apropos Hamburger Marktgemüse: Von der erfreulichen Belieferung der Innenstadt könnt ihr euch mit Hilfe von Herrmann Haase ein Bild machen. Wie Schwindrazheim begab er sich auf die Suche nach malerischen Winkeln und Menschen bei der Arbeit, ihr Verein der Pflanzenfreunde sympathisierte mit der Heimatbewegung, die die industrielle Revolution und damit einhergehende Verarmungsprozesse kritisierte; sich für den Erhalt regionaler Traditionen, Landschaftsbilder und Baustile einsetzte; Aspekte des Natur- und Landschaftsschutzes, des Denkmalschutzes, der Pflege von Tradition und Brauchtum, Dorf- und Stadtbild verwob. Bevor euch jetzt der derzeitige Kanzler oder rechtsextremistische Propaganda in den Sinn kommen, verwerfen wir jene*s und blicken nochmal auf den Hamburger Künstler Schwindrazheim. Der gründete nämlich 1909 den Altonaer Künstlerverein, der 1932 beschloss, „aufgrund der sehr ungünstigen Zeiten“ seine Vereinstätigkeit weitgehend ruhen zu lassen, sich später nicht für die Pläne der Nationalsozialist*innen einspannen ließ und der Gleichschaltung widerstand. Ich sympathisiere also hier hemmungslos, vor allem, wenn es um den Kampf gegen Verarmungsprozesse und den Landschaftsschutz geht.

Dieses Aquarell von Herrmann Haase zeigt den Hopfenmarkt stammt aus einem Buch, das ich mir unbedingt zu Weihnachten schenken muss: „Malerische Ecken & Winkel Hamburgs“. Es zeigt den Hopfenmarkt, der seinerzeit unter anderem von Vierländerinnen beliefert wurde.
Körbe statt Plastik! Das gilt für mich unbedingt. Und mittlerweile weiß ich auch, dass in unserer 700 Jahre alten Kulturlandschaft auch Weiden fürs Korbmachen angebaut wurden – und habe schon so manchen Beeren-, Maiblumen-, Gemüsekorb vorm Osterfeuer gerettet.

Fürs Hamburger Traditionsgericht „Bohnen, Birnen und Speck“ braucht ihr nicht unbedingt Schweinebacke (wenn schon denn schon, dann von glücklichen Schweinen wie denen auf Hof Eggers in der Ohe), aber unbedingt die kleinen, harten Augustbirnen. Sie sind weder süß noch fruchtig. Wenn in einem Restaurant das ganze Jahr über „Bohnen, Birnen und Speck“ auf der Karte stehen, muss eine als Norddeutsche das Schlimmste befürchten, denn auch die einheimischen Brechbohnen haben ihre Saison nur im August. Bund Lemgo, Obstsortendatenbank
Den August verbringe ich sozuschreiben „zwangsweise“ in den Vierlanden, möchte in diesem Wonnemonat nichts verpassen, nicht die Brechbohnen von Nachbar Klaus am Neuengammer Heerweg und auch nicht die kleinen harten Augustbirnen von den knorrigen alten Bäumen am Marschbahndamm – die stillgelegte Bahn verband die City mit den Vier- und Marschlande, wäre eine prima Alternative zum heutigen LKW- und PKW-Stau, ist aber auch eine langgestreckte Allmende der Radfahrer*innen, wo das Obst allen gehört.
Als Freundin und Genießerin der Vielfalt liegt mir natürlich auch die Sortenvielfalt von Beeren und Obst sehr am Herzen. Auch hier hat zu meinen Lebzeiten leider die Macht der Ketten zugeschlagen. Nicht nur die Viehwirt*innen, auch die norddeutschen Obstbauer*innen ringen mit den teilweise absurden Anforderungen und Normen und der Preispolitik der Handelskonzerne, das geht uns alle an. Informiert euch! Kontaktiert und unterstützt lokale Erzeuger*innen!

Das „Heimatbuch für unser Hamburgisches Wandergebiet“ feiert den „Übergang der Vierlande in Hamburgs Alleinbesitz“ im Jahr 1868, nach der Auflösung der Besitzgemeinschaft mit Lübeck: „ungehemmt haben sich die vier Landschaften wirtschaftlich auf das Glücklichste entwickelt.“ Die Bewohner dieser „Gemüsekammer Hamburgs“ seien zu einem Wohlstand gelangt, „wie er zu früheren Zeiten auch nicht im entferntesten erreicht worden ist.“

Gartenbau in Neuengamme, Achter de Wisch, 1902. Die langen Bohnenstangen wurden damals intelligenterweise aus Eichenholz hergestellt, sie waren – das hab ich gerade von meinen Nachbar*innen in Neuengamme gelernt – auf Grund des hohen Gerbstoffgehaltes sehr lange haltbar und wurden gut gehütet. Es gibt – noch! – enorm viel gärtnerisches Wissen in diesen Landen. Wilhelm Weimar.
Wilhelm Weimar, von dem das obige Fotos stammt, schuf – und das passt ja zum oben beschriebenen Handwerk und Gewerbe – mit botanischem Kenntnisreichtum und Sinn für Schönheit und Komposition ein fotografisches Herbarium und ein hochwertiges Bilderwerk aus Blüten, Zweigen und Blättern.

Die Tuberose – aus der Gattung der Agaven – wurde ab 1601 in Europa als Schnittblume kultiviert. Wilhelm Weimar
Ab dem 18. Jahrhundert erarbeiteten solche tatkräftigen und auch innovative Erzeugerinnen – um hier ausnahmsweise mal von den Männern zu schweigen:) – den Marschlanden und den Vierlanden den Ruf als Blumen- und Gemüsegarten Hamburgs. „Da der Bedarf an Gartenbauerzeugnissen stieg, hatten sich die Vierländer besonders auf Feingemüse und Obst spezialisiert, voran Kirschen.“ So beschreibt Werner Schröder im Schloßheft Nr. 5 des Museums für Bergedorf und die Vierlande – „Alte Vierländer Gartengeräte – Arbeitskultur und Alltagsbilder“ die ersten Schritte Richtung Gemüsegarten Hamburgs. Und ich erinnere mich daran, dass ich mal gelesen habe, eine Vierländer Sippe habe damals, was das Bargeld anbelangte, von einem Kirschbaum leben können. Kirschen sind auch auf dem unten abgebildeten Gemälde von Vincent Schulze zu entdecken, aber die Einnahmen aus dem Verkauf solcher extrem hochwertigen Erzeugnisse decken heute oft kaum die Ausgaben der Gärtnereien. Wir sinnieren gerade über eine blühende und fruchtbare Zukunft unseres Gartens: Agrarstrategie „Zukunft Agrar+ 2045“ – unter diesem Titel hat die Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA) vor einem Jahr die Akteur:innen der Hamburger Agrarwirtschaft, Landwirt:innen und Gärtner:innen, Praktiker:innen und Gestalter:innen aufgerufen, die Zukunft der Landwirtschaft und des Gartenbaus in Hamburg gemeinsam zu gestalten Hamburgs Agrarwirtschaft mitgestalten. Bin als Verfechterin der Biodiversität, Sortenvielfalt und der lokalen Ökonomie und Ernährungssouveränität dabei und halte euch auf dem Laufenden.

Im November 2025 habe ich eine ehrwürdige Veteranin des Hamburger Gartenbaus getroffen. Um auch in der kalten Jahreszeit, wenn es für mich auf meinem abgelegenen Pachtland heißt, bei Minusgraden und in absoluter Finsternis einen ganz kleinen Ofen anzuwerfen …, übernachte ich gerne in einem der überaus gastlichen und wirtlichen Häuser der Vier- und Marschlande. Das tat ich auch nach einer Veranstaltung in Ochsenwerder. Dort, in Rieges Gasthof, hatten wir mit ganz verschiedenen Beteiligten – Anwohner*innen, Behördenvertreterin, Biolog*innen, Geowissenschaftlerin, Landwirt*innen u.a. – über Böden und Flächennutzung in den Vier- und Marschlanden diskutiert, einander zugehört und ganz unterschiedliche Auffassungen wahrgenommen, in einer auch zukunftsweisenden Auseinandersetzung:

Diskussion in Rieges Gasthof in Hamburg-Ochsenwerder am 21.11.25: Böden und Flächennutzung – Was macht wirklich Sinn? Links: Dr. Lutz Fähser, ehemaliger Forstdirektor Lübeck; rechts: Kola O. Bodendieck, Botanischer Verein zu Hamburg e.V.
Hernach radelte ich durch die Kälte zum Fährhaus Tatenberg und lerne dort die Inhaberin Anja Schwormstedt und ihre Mutter, Marlene Schwormstedt kennen. Anja Schwormstedt hat aus gesundheitlichen Gründen beschlossen, das Restaurant in Tatenberg Ende 2025 zu schließen, bedauert zum einen, hat zum anderen neue persönliche Pläne, über die wir plaudern. Und dann traf ich im dortigen Gästehaus auch ihre Mutter. Und war sehr beeindruckt von der über 90-Jährigen.

Das Fährhaus Tatenberg gibt es seit 1901. Ich lerne dort bei meinem November-Ausflug die Inhaberin Anja Schwormstedt und ihre Mutter, Marlene Schwormstedt kennen.
Hatte gerade die Laudatio zu ihrem 65. Geburtstag studiert, die mich direkt ins Herz von Hamburgs Kräuter-und Gemüsegarten entführte, als Marlene Schwormstedt plötzlich vor mir stand.

Diese Laudatio zu Marlene Schwormstedts 65. Geburtstag, der nun auch schon wieder ein Vierteljahrhundert zurück liegt, spricht von Tatkraft:
In der Frühe war Bauernfrühstück für die Monteure im Gästehaus zu bereiten, dann galt es, sich um Kräuter und Gemüse auf dem Spadenland zu kümmern, den Verkauf am Deich zu organisieren, später die Kinder ins Bett zu bringen, und wohlmöglich noch Gäste zu bewirten. „Ich habe eigentlich immer gearbeitet“, sagt die alte Dame und strahlt mich an.

Auch meine Nachbarin in Neuengamme war im Gartenbau tätig. Und klärte mich über mein „Land“ auf, wo sie früher Blumen angebaut hat: vorne, zum Deich hin, befindet sich nämlich der Garten, und hinter den Häusern „das Land“, auf dem manche der hier eingeheirateten Frauen sich nur sehr ungern an die knallharte Arbeit machten. In ihrer Jugend sei ja die Forderung nach der 35-Stunden-Woche aufgekommen, davon sei sie ganz begeistert gewesen, sie hätte dann nämlich am Dienstag mittags für den Rest der Woche frei gehabt. Des Rechenrätsels Lösung: Gunda und ihre Familie haben nicht nur Blumen angebaut, sondern Hamburger Märkte damit beschickt, das erforderte andere Arbeitszeiten als in Industrie und Büro. Und ich gedenke voller Bewunderung und Zuneigung Gundas, sie ist im Dezember 2025 verstorben. Wie sehr werde ich die Klönschnacks übern Zaun vermissen!
Vom Tatenberger Fährhaus kommend, radelte ich im November 25 mittags in frischer Kälte und strahlendem Sonnenschein auf dem Ochsenwerder Norderdeich, der sich an der Gose Elbe entlangschlängelt, an gut gepflegten Schlägen entlang.

Mit dem Rad im Novembersonnenschein unterwegs auf dem Ochsenwerder Norderdeich: Während früher in Ochsenwerder hauptsächlich Getreide für Hamburg angebaut wurde, ist es nämlich heute vorwiegend Gemüse, immer häufiger in Bio-Produktion.

Einige sprechen schon, angelehnt an eine US-Hightech-Ecke von Ochsenwerder als Hamburgs Öko Valley (mir gefällt auch „Salatgurken Valley“ Bio:)). Dort wirtschaften die Demeter Gärtnerei Sannmann – seit mehr als 200 Jahren – ökologisch und auch „meine“ Solidarische Landwirtschaft Vierlande. Wer diese bildschönen Kohlblätter erzeugt hat, weiß ich nicht. Bravo!
Und wo wir schon mal beim Grünkohl sind…: Im Dezember hatte unser Grüner Zirkel Vier- und Marschlande (https://gzvm.de) – wir sind eine unabhängige Interessengemeinschaft von Bewohnerinnen und Bewohnern der Vier- und Marschlande und setzen uns unter anderem für den Erhalt und die nachhaltige Entwicklung unserer einzigartigen Kulturlandschaft und der dort gewachsenen Wirtschaft ein, für Klima- und Artenschutz, und gegen die Landschaftsversiegelung – die Umweltsenatorin und Zweite Bürgermeisterin von Hamburg, Katharina Fegebank und verschiedene Expert*innen zu einem Austausch über die oben genannten Themen eingeladen. Und ihr ein prachtvolles Produkt der Region überreicht:

Beim Treffen mit dem Grünen Zirkel Vier- und Marschlande fragte die Hamburger Umweltsenatorin und Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank mich nach der Zubereitung des Riesengemüses (siehe unten) und ich fragte sie, ob die Stadt nicht künftig dafür sorgen könne, dass städtische Pachtflächen ökologisch bewirtschaftet werden, und dass das dort produzierte Hamburger Biogemüse von Schulen und anderen städtischen Betrieben abgenommen würde. Auch wenn viele immer gleich sagen: „Das geht nicht!“, sagte Fegebank, sie sehe da durchaus Möglichkeiten. Das freut mich!
Und da die Grünkohlsaison schon fast, aber noch nicht ganz zu Ende ist (ich schreibe dies am Rosenmontag und es hieß in älteren Zeiten bei uns in Norddeutschland: „Grüner Kohl vor der Fastnacht, weißer danach“) noch schnell ein Rezept für Senator*innen und alle anderen Liebhaber*innen einheimischer Kost: 800 g Schweinebacke in Salzwasser 45 Minuten kochen. Den Grünkohl putzen, gründlich waschen und eine Minute blanchieren, anschließend in die Brühe geben und alles 1 1/2 Stunden kochen. den Grünkohl und die Schweinebacke aus dem Topf nehmen, Kohl fein schneiden und warm halten. Mit 150 g Schmelzflocken die Brühe (ca. 750 ml) binden, den Grünkohl wieder hinzufügen und 10 Minuten durchkochen. Grünkohl mit Zucker und Salz abschmecken. Fleisch in dünne Scheiben schneiden. Fleischscheiben mit Grünkohl und karamellisierten Drillingen (kleinen runden Bratkartoffeln) servieren. Dazu ev. ein kühles Bier und einen Aquavit reichen. Die Weltbesten Drillinge gibt es m.E. am Kirchwerder Hausdeich 124 (https://ackernfuerhamburg.de/erzeuger/mathias-peters), aber nur zu ihrer Zeit. Sie sind schnell ausverkauft, lassen sich aber lagern.

Auf Hof Eggers in der Ohe (https://hof-eggers.de) führen Schweine ein echt artgerechtes Leben. Wer also ausschließlich aus Gründen des Tierwohles auf Fleisch verzichtet, könnte hier also zugreifen.
Landschaft weiterdenken – Einblicke und Weitblicke in den Kulturlandschaftswandel der Vier- und Marschlande. So heißt der Ergebnisbericht einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Wandel der Vier- und Marschlande. Die Autorinnen, Antje Stokman und Anne Kittel eröffnen einen neuen Blick auf deren Vergangenheit, Gegenwart und mögliche Zukünfte. Stokman ist Landschaftsarchitektin und Professorin an der HafenCity Universität Hamburg. Ihr Ziel ist es, bei der Transformation von Agrarlandschaften, Gebäuden, Gewässern u.a. zu lebenswerten Stadträumen ökologische, soziale und ästhetische Anforderungen zu integrieren. Kittel beschäftigt sich als freie Landschaftsarchitektin in Hamburg mit stadtnahen Kulturlandschaften, mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit auf ihr Wesen und ihre Bedeutung zu lenken und ihre Wertigkeit zu stärken. Über das fruchtbare „Dreistromland“ (Norder-, Dove- und Gose-Elbe) schreiben sie, hier sei die historische Kulturlandschaft der tiefliegenden, vom Hauptdeich umschlossenen Marschgebiete „noch in einer einzigartigen Geschlossenheit erlebbar.“
Wohl kaum eine andere deutsche Metropole, so beschreiben Kittel und Stokman in ihrem Bericht, besitze so eine große räumliche Nähe zu ausgedehnten landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Flächen innerhalb des Stadtgebiets wie Hamburg. „Über 800 Jahre dauert diese intensive Stadt-Land-Beziehung jetzt schon an und hat eine der ältesten Kulturlandschaften Deutschlands hervorgebracht.“ Dieses lokalspezifische „gestalt- und funktionsprägende Landschaftsbauwerk“, bestehend aus Deichlinien und Grabenstrukturen, scheine der Landschaft einen festen Rahmen zu geben. Kittel und Stokman betonen in ihrer Dokumentation von 2022, dass die Landwirt*innen dort bisher eine zentrale Rolle als Kulturlandschaftsgestalter*innen spielten.
Mitte des 20. Jahrhunderts führte, so erläutern sie, die „permanente Anpassung an die Bedürfnisse der städtischen Abnehmerschaft“ zu einer neuen Anbaumethode. Unterglaskulturen in großen Treibhäusern hätten „zu noch höheren Erträgen und längeren Anbauphasen bei Zierpflanzen, Schnittblumen und frostempfindlichen Gemüsen“ geführt. Heute stehen einerseits – ein „Erfolg“ des globalen Preisdumpings – zum Teil Gewächshäuser mit Fundamenten wie niederländische Kathedralen (so sagt es eine meiner „eingeborenen“ Nachbarinnen in Neuengamme) leer, während wenige Kilometer weiter teure und weitaus weniger haltbare Folientunnel errichtet werden müssen. Macht, von mir zugegebenermaßen nur oberflächlich betrachtet, nicht viel Sinn, scheint weder wirtschaftlich, noch nachhaltig oder für Hamburg zuträglich zu sein. Kittel und Stockman zitieren in ihrem Bericht eine dortige Landwirtin: „Neben der Bereitstellung von Flächen für den Wohnungsbau werden zusätzlich landwirtschaftliche Flächen für Ausgleich und Naturschutz verbraucht. Dies hat zur Folge, dass die Fläche für die Nahrungsmittelproduktion stark sinkt. Das bereitet uns Ackerbauern Sorge. Wenn die Entwicklung so weitergeht, gibt es in 30 Jahren keinen Landwirt mehr im Gebiet, es sei denn, er ist Dienstleister für die Landschaftspflege.“

Diese Aufnahme stammt von Werner Schröder. In seinem unglaublich aufschlussreichen Band „Alte Vierländer Gartengeräte – Arbeitskultur und Alltagsbilder“ beschreibt er die Betriebe der Kästner: „Sie waren die ersten Vierländer, die den Anbau von Gemüse gewerbsmäßig betrieben.“ Ihr seht hier die Gärtner*innen auf einem der langen schmalen „Schläge“ in Neuengamme.
Zudem hätten, so Kittel und Stokman, der massive Preisdruck und die Konkurrenz aus dem Ausland die ansässigen Gartenbaubetriebe stark unter Druck gesetzt. „Die harte und wenig lukrative Arbeit in den kleinteilig strukturierten und familiär geführten landwirtschaftlichen und gartenbaulichen Betrieben führt obendrein dazu, dass häufig keine gesicherten Nachfolgen zu finden sind.“ Für konventionellen Anbau auf großen Flächen eigneten sich die Vier- und Marschlande mit ihrer kleinteiligen Hufenstruktur nur bedingt. Nun haben die Vier- und Marschländer*innen in der Geschichte ihre Innovationsfähigkeit oft bewiesen. Vielleicht führt das ja zu zukunftsträchtigen neuen Vertriebswegen und nachhaltigen ökologischen Anbaumethoden – Altbauer Georg Eggers spricht von „neuem altem Anbau“ und da ich ihn als Vorreiter und Vordenker betrachte, schiebe ich mal ein Bild ein (siehe unten) – im kleinen Maßstab?

Es werde recht viel geredet, sagt Georg Eggers, der den Hof seiner Familie schon …. auf die ursprünglich dort übliche Bewirtschaftung umgestellt hat. Der Schnappschuss vom Mai zeigt ihn mit Storch im Hintergrund, als er einen alten Melkschemel vom uralten Kornspeicher des Hofes Eggers in der Ohe holte. Der Schemel diente dann an einer Grundschule in Hamburgs „mittlerem Westen“ als Vorbild für mobile Sitzgelegenheiten für junge Naturmaler im Grünzug Altona. Und Georg und ich schmieden Pläne, wie wir – vielleicht auf dem städtischen Gut Riepenburg – altes und neues Wissen unters junge Volk bringen können.
Nu aber. Georg hat mir doch am 23. Oktober 2025, anlässlich der Vorstellung der Blume des Jahres 2026, anlässlich auch seiner Ungeduld, folgendes Papier in die Hand gedrückt: „Zwischen Hunger und Überfluss: Neue Studie zur Welternährung“. Diesen Bericht der internationalen EAT-Lancet-Kommission (https://www.thelancet.com/commissions-do/eat-2025) habe ich mir nun zu Gemüte geführt, mich in das Denken und Trachten eine/s/r Landwirtes/in versetzt. Also spielt sowohl die Gesundheit der Erde, als auch die des Menschen eine wichtige Rolle. Beide gleichermaßen schützen soll die von der EAT-Lancet-Kommission, einem internationalen Zusammenschluss von Wissenschaftler*innen aus vielen Disziplinen, vorgeschlagene Strategie für Landwirtschaft und Ernährung. Ihr „Speiseplan“, die sogenannte Planetary Health Diet (PHD) zeigt, wie wir die erwartete Weltbevölkerung auch zukünftig innerhalb der planetaren Grenzen ernähren können. Und scheint mir ein Mittel gegen ernährungsbedingte Erkrankungen und auch alle möglichen Formen ausbeuterischer Misswirtschaft zu sein. Allein aus gesundheitlicher Sicht würde sich die Umstellung auf die PHD lohnen. Jedes Jahr könnten damit rechnerisch weltweit 15 Millionen ernährungsmitbedingte Todesfälle (27 Prozent aller Todesfälle) verhindert werden. Derzeit, so der Bericht, lebt nur ein Prozent der Weltbevölkerung so, dass sowohl die eigene Gesundheit als auch die des Planeten im Einklang sind. Zudem ist auch die Ungerechtigkeit noch groß. Denn die reichsten 30 Prozent der Menschen verursachen mehr als 70 Prozent der ernährungsbedingten Umweltbelastungen.
Georg hat in der Studie Folgendes markiert: „Die Art und Weise wie wir aktuell Lebensmittel produzieren, ist … einer der Haupttreiber für das Überschreiten planetarer Belastungsgrenzen.“ Beispielsweise würden Monokulturen und Pestizideinsatz in der Landwirtschaft das Artensterben vorantreiben. Und – obwohl es für die gesunde Ernährung der Welt nicht notwendig wäre – würden weiterhin wertvolle Ökosysteme in Acker- und Weideland umgewandelt.
Technologische Innovationen allein würden nicht ausreichen. „Es braucht tiefgreifende strukturelle Veränderungen von der Produktion über die Vermarktung bis hin zu Arbeitsbedingungen und gesellschaftlicher Teilhabe.“ So heißt es in der Studie, die uns auffordert Ernährungssouveränität zu stärken und Hunger zu bekämpfen. Es brauche dafür gerechte Rahmenbedingungen, die Ernährungssysteme nicht dem Prinzip der Gewinnmaximierung unterordnen, sondern das Gemeinwohl in den Mittelpunkt stellen. Lokale Selbstversorgung, regionaler Handel, ökologische Landwirtschaft und faire Arbeitsbedingungen entlang der Lieferketten müssten Vorrang haben vor kurzfristigen Profiten und globalen Marktzwängen.
Und genau deshalb muss ich gleich los, zu den „Maßnahmen-Werkstätten“ der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA). Die hat vor einem Jahr mit „Zukunft Agrar+ 2045“ einen breit angelegten Beteiligungsprozess gestartet. Ich bin dafür direkt aus dem Kölner Karneval nach Hamburg-Wilhelmsburg gereist:

Mit rund 100 Teilnehmenden aus Verwaltung, Landwirtschaft, Verbänden, NGOs, Vereinen und Wissenschaft starteten wir Anfang März 2025 die partizipative Entwicklung von Hamburgs Agrarstrategie. Und priorisierten Themen wie Biodiversität, regionale Wertschöpfung, Klimaresilienz und Stadtlandwirtschaft. Digitalisierung, Technik und Forschung fanden vergleichsweise wenig Resonanz. Es gibt gar nicht so viel zu erforschen, das Meiste wissen wir, und Technologie hilft uns beim Ackern nur bedingt weiter).
Ein Ex-Ingenieur, den ich im März 25 bei Zukunft Agrar+ in Wilhelmsburg treffe, hat den Haidehof (https://gut-haidehof.de) in Gang gesetzt, einen von Hamburgs zukunftsweisenden landwirtschaftlichen Betrieben und dabei gelernt, „dass die Natur so viel komplexer ist als alle Technokratie“.

Jannis Schröder ist Betriebsleiter auf Apfelhof Köpke im Alten Land
Wir legten in Kleingruppen los mit dem Zukunftsparkour. Unser dunkelgrün gekennzeichnetes Thema umfasst nachhaltige Landwirtschaft, Öko-Anbau, Biodiversität und die Synergie von all dem. Charlie Pittelkow, Biodiversitätsperson der Universität Hamburg und ich lauschten Jannis Schröder. Er ist Betriebsleiter auf Apfelhof Köpke im Alten Land. Das liegt südwestlich von Hamburg, schon vor über 600 Jahren wurden die ersten Früchte angebaut, heute ist es das größte zusammenhängende Obstanbaugebiet Deutschlands. Schröder erzählt uns in der Kleingruppe davon, dass er für jeden der Handelskonzerne, die er beliefert, eine eigene Plantage anlegen muss, weil die Abnehmer*innen jeweils ein ganz klein wenig andere Anforderungen an die Früchte haben. Uns blieb die Spucke weg.
Die verschiedenen Kleingruppen knieten sich unter anderem in Themen wie Regionale (Bio)Wertschöpfung: Die Gemeinschaftsverpflegung wurde als Hebel für regionale Versorgung und Konsumwandel betont – mit Potenzial für eine Bio-Vorreiterrolle Hamburgs; (Agrar)Landschaft & Biodiversität: Synergien zwischen Landwirtschaft und Naturschutz wurden als tragfähig herausgestellt. Konzepte wie Agroforst, Waldgärten und gezielte Förderung biodiversitätsfreundlicher Maßnahmen wurden vorgeschlagen; Zugang zu und Sicherung von Flächen: Der Zugang zu landwirtschaftlichen Flächen und deren Sicherung wurde als grundlegende Voraussetzung für die Agrarwirtschaft in Hamburg hervorgehoben. Es wurden Forderungen nach einer strategischen Sicherung städtischer Flächen laut – inklusive langfristiger, transparenter Vergabeprozesse sowie ökologisch und sozial ausgerichteter Pachtmodelle. Und wir dachten über Leitlinien nach, wie: „Gesicherte Hofnachfolge – Landwirtschaft bleibt ein attraktiver Beruf! Mehr bio-regional auf dem Teller – direkt vom Feld in die Stadt! Artenreiche, lebendige Kulturlandschaften für Mensch und Natur!